..Bau der Waldschlösschenbrücke in Dresden ..
 
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Tunnel
 

„Tunnel ist keine wirkliche Alternative“
„Falschaussagen der Initiative Bürgerbegehren aufgedeckt“

Ingenieurkammer Sachsen
Fachausschuss „Landesentwicklung – Umwelt – Verkehr – Technologie“

Dr. Arne Kolbmüller, Präsident der Ingenieurkammer Sachsen

Eine Tunnellösung hält bereits nach heutigem noch lückenhaften Kenntnisstand dem unter Leitung von Herrn Dr. Burger überarbeiteten Entwurf der Waldschlößchenbrücke in keiner Weise stand!

Die im Aufruf „Bürgerbegehren Tunnel“ behaupteten Vorzüge eines Tunnels entbehren jeglicher Grundlage und eine Finanzierung der Tunnellösung ist derzeit nicht möglich!



Begründung:
Bereits mit den 2003 sowohl von EIBS im Auftrag der Stadt Dresden und der Bürgerinitiative „Verkehrsfluss“ erarbeiteten Studien als auch im Juni 2007 mit dem durch BUNG erarbeiteten Vergleich beider Studien liegen baufachliche und umwelttechnische Kenntnisse vor, die eine Tunnellösung als Alternative ausschließen, aber von den Tunnelbefürwortern verschwiegen oder verfälscht dargestellt werden.

1. Der rechtselbische (Neustädter) Tunnel der Elb-Brücken-Lösung muss für eine Elb-Tunnel-Lösung neu geplant werden, da die Elbtunnelfahrbahn bei Einhaltung der technischen Zwangsparameter (3,5 m Tunnelüberdeckung in Elbmitte, maximales Tunnelgefälle 5 %) etwa 8,2 m tiefer zu liegen kommt als die Elbbrückenfahrbahn. Damit verlängern sich die Rampen des rechtselbischen Tunnels (siehe Darstellung in der Anlage, PDF, 800 kB)), die der Ausfahrt Bautzner Str. Ost um etwa 100 m, und die der Zufahrt Bautzner Str. West um etwa 150 m, wobei wertvolle, gerade erst sanierte Bausubstanz abgerissen werden muss. Infolge der Rampenverlängerungen ändern sich auch die oberirdischen Verkehrsführungskonzepte, weil nicht mehr plangleich an die Angelikastrasse (Ostrampe) und an die Fischhausstrasse (Westrampe) angebunden werden kann.

Die Aussage des Vereins „Bürgerbegehren Tunnel“ die Brücke durch eine Tunnelverbindung zwischen den Anschlussbauwerken ersetzen zu können, ist also schlichtweg falsch!

2. Zur Elbtunnelherstellung sind temporäre, erhebliche Eingriffe in die Elbaue erforderlich, die mit hohem Aufwand und Nachsorge über Jahre verbunden sind. Diese Eingriffe sind abhängig von der vorgesehenen Tunnelbautechnologie im Elbbereich und stellen nach den Vorstellungen der Bürgerinitiative mit einer Umleitung/Verdrückung der Elbe über etwa 1 km ein kaum vertretbares Maß des Eingriffs in die Elbaue und schwer kalkulierbare Risiken hinsichtlich der Genehmigungsfähigkeit sowie des technischen und finanziellen Aufwands dar.
Außerdem ergeben sich zusätzlichen bleibende Beeinträchtigungen durch die notwendigen Schutzmaßnahmen für extreme Hochwässer (Auftriebssicherheit, Schutz vor Überflutung).
Ein Tunnel unter der Elbe wird weiterhin zwangsläufig die Grundwasserleiter (Kiese) und die Sperrschichten (Aulenlehm) an- bzw. durchschneiden. Damit sind Probleme wie die Vermeidung eines Grundwasserstaus sowie mögliche Kontaminationen der Grundwasserleiter verbunden.
Zudem führt die Schadstoffanreicherung im Umfeld der anzuordnenden Ablufttürme zur Überschreitung von Grenzwerten der Schadstoffbelastung im innerstädtischen Bereich und damit ebenfalls zwangsläufig zu aufwendigen technischen Lösungen zur Verteilung der Schadstoffe.

In diesem Zusammenhang von einer Verbesserung des Umwelt-, Natur- und Hochwasser-schutzes durch einen Tunnelbau zu sprechen, ist nicht nachvollziehbar!

3. Die vom IB EIBS durchgeführte Kostenschätzung der Investitionskosten mit einer ausgewiesenen Kostendifferenz von 35 Mio. € zugunsten der Elbbrücke wird nach Prüfung durch IB BUNG bestätigt. Das Risiko, dass hier einer ausgereiften Brückenplanung mit allen verpreisten Bauschwierigkeiten die Kostenschätzung für eine Tunnelplanung als Sonderaufgabe mit noch nicht voll absehbaren Problemen gegenübergestellt wird, lässt eine Differenz-Kostenerhöhung im Ablauf der Planungsdetaillierung für die Elbtunnellösung auf bis zu 70 Mio. EUR wahrscheinlicher erscheinen als eine Kostenminderung.

Die Kostenaussagen der Vorbemerkungen zum Bürgerbegehren entbehren der sachlichen Grundlage und widersprechen selbst den Erkenntnissen der Bürgerinitiative „Verkehrs-fluss“.

4. Die laufenden Betriebskosten der Tunnellösung liegen nach Kostenprüfung durch IB BUNG deutlich niedriger als vom IB EIBS veranschlagt, und zwar geschätzt bei 1 Mio. EUR jährlich. Der gesunde Menschenverstand lässt erkennen, dass die Kosten für Dauerbeleuchtung, Zwangsentlüftung und Betrieb von Sicherheitstechnik bei der Elbtunnellösung deutlich höher liegen müssen als bei der Elbbrückenlösung, bei der solche dauerhaften Finanzbelastungen nur beschränkt erforderlich sind. Die für die Brückenlösung ermittelten Betriebskosten von 69.000 EUR unterstreichen das.

Falschaussage der Vorbemerkungen zum „Bürgerbegehren Tunnel“!

5. Ein Planfeststellungsverfahren mit bekannt hohem Zeitaufwand ist wegen veränderter Betroffenheiten (Gelände- Inanspruchnahme, Gebäudeabrisse, Luftschadstoffe, Landschaftsbildbeeinflussung) für die Tunnellösung trotz des bestehenden Baurechts für die Brückenlösung zwingend erforderlich. Z.B. ist eine Untertunnelung der Elbe auch mit Tschechien abzustimmen. Hier sind Fragen der weiteren Entwicklung des Güterverkehrs auf der Elbe, die Fahrrinnentiefe etc. per Staatsvertrag zu regeln. Im Hamburger Hafen begrenzt der Elbtunnel inzwischen die Größe der einlaufenden Frachtschiffe. Mit der Tonnagebegrenzung für das Blaue Wunder wäre damit eine sich auf die Umwelt äußerst negativ auswirkende Belastung infolge weiträumiger Umleitung des Schwerverkehrs für viele weitere Jahre hinzunehmen.

Wegen des noch notwendigen Bauvorbereitungsaufwands, einschließlich Planfeststellungs-Verfahren, ist die postulierte Verkehrsübergabe einer Elbtunnellösung vor 2015 illusorisch!

6. Die Nichtnutzbarkeit der Tunnelelbquerung durch Fußgänger und Radfahrer widerspricht den elementaren Grundsätzen des Dresdner Verkehrskonzeptes. Eine Umsteigemöglichkeit von Bus zu Bahn im Bereich der Kreuzung der Verkehrsströme am Waldschlößchen ist bei der Tunnellösung nicht möglich, da die Bushaltestellen nur außerhalb der Tunnelröhren angeordnet werden können.

Die von den Tunnelbefürwortern empfohlene Nutzung von Fähre und Bus hält den sich mit der Brücke ergebenden Möglichkeiten in keiner Weise stand.


In Kenntnis der vorgenannten Fakten weist deshalb bereits die Stellungnahme des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft und Arbeit vom Mai 2006 die Errichtung der Brücke eindeutig als Vorzugsvariante gegenüber der Unterquerung der Elbe mittels Tunnel aus und formuliert zusammenfassend: „Unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten lässt sich die Förderung einer Tunnelvariante, die nach Gesamtabwägung der Planfeststellungsbehörde keine gegenüber der Brückenlösung vorzugswürdige Variante ist, nicht vertreten.“